Was sind Corps?

Fälschlicherweise werden oftmals sämtliche Verbindungen als Burschenschaften bezeichnet. Ein Gleichsetzen aller Verbindungen in solchen Verallgemeinerungen ist auf Grund der gravierenden Unterschiede weder sinnvoll noch glaubhaft.

Wir wollen hier kurz darstellen, worin sich die Corps von den anderen Verbindungen unterscheiden. Vorab sei allerdings bemerkt, dass es eine Vielzahl anderer Verbindungen gibt, deren Aufzählung den Rahmen sprengen würde. Die großen Dachverbände Deutschlands sind jedoch die Deutsche Burschenschaft (DB), der Coburger Convent (CC - Turnerschaften und Landsmannschaften) sowie der Cartellverband der katholischen Studentenverbindungen (CV). Die Corps sind in zwei Dachverbände unterteilt: Dem Kösener Senioren Convents Verband (KSCV), der aus Corps an geisteswissenschaftlichen Universitäten besteht und dem Weinheimer Senioren Convent (WSC), bestehend aus Corps in Städten mit Technischen Hochschulen.

Eine allgemeine Kategorisierung der Corps ist jedoch nicht möglich, da jedes Corps nur sich selbst verantwortlich ist. Deutlich wird dies im Dachverband, wo das jeweilige Corps nur eine Stimme unter hundert besitzt. So kann ein Corps auch nur an seinem eigenen Tun gemessen werden.

Wie viele andere Verbindungen auch können Corps auf eine lange Tradition zurückblicken - eine Geschichte mit allen Höhen, aber auch den dunklen Seiten, denen wir uns sehr wohl bewusst sind. Nur wer sich dieser deutschen Geschichte stellt und nicht etwa die Zeit vor 1945 verleugnet, kann seiner Verantwortung für die Zukunft gerecht werden.

Die ersten Anfänge der Verbindungen gehen bis in die Zeit des Mittelalters zurück. Zum Studieren musste man die wenigen, weit verstreuten Universitäten besuchen. So entstanden die ersten Studentenhäuser als Unterkunft - die Bursen - und das Recht, zum eigenen Schutz Waffen tragen zu dürfen. Die Studenten aus den verschiedenen Regionen fanden sich jeweils zusammen und benannten ihre Zusammenschlüsse nach ihren Herkunftsgebieten (Saxonia - Sachsen, Rhenania - Rheinland).

Mit dem Aufkommen immer neuer Universitäten im 17. und 18. Jahrhundert wuchs die Zahl der Studentenverbindungen und ihr gesellschaftlicher Einfluss. Ihr wichtigstes Ziel sahen die Studenten darin, das in viele Kleinstaaten zersplitterte Deutsche Volk zu einen und von der Herrschaft Napoleons zu befreien. So nahmen viele Studenten in Freiwilligencorps an den Befreiungskriegen teil.

Sie setzten sich für die Abschaffung der Geburtsvorrechte und der Leibeigenschaft und die Einführung der Pressefreiheit ein. Studenten initiierten das Hambacher Fest 1832, die Wiege des späteren deutschen Staates und des ersten Versuchs einer demokratischen Staatsform in der Paulskirche. Die dort zum ersten Mal getragenen Farben Schwarz- Rot- Gold entstammten den Farben einer Jenaer Burschenschaft. Heute ist es unsere Nationalfahne. Interessant ist auch zu wissen, dass die bunten Jacken der Verbindungsstudenten aus Solidarität mit emigrierten, polnischen Offizieren nach einem Aufstand gegen die russische Fremdherrschaft entstanden.

Die Corps zeichnet im weiteren Verlauf eine besondere geschichtliche Entwicklung aus, die sie von anderen schlagenden Verbindungen abgrenzt. Die Studentenzirkel, die sich später Corps nannten, waren früh mit dem Gedankengut der Aufklärung in Kontakt gekommen, so dass ein liberales Staatsverständnis aus ihren Reihen den Ruf nach einer Verfassung für die verschiedenen deutschen Staaten laut werden ließ. Das Bestreben nach Demokratie und revolutionären Reformen brachte sie bei den Monarchen in Missgunst und lange Zeit mussten sie unter ständigen Repressalien leiden, wurden verfolgt und verboten. Auf Druck der Behörden wurden aus den Landsmannschaften Corps, die die Obrigkeit duldete, da sie politisch nicht aktiv waren. Die im eigenen Land geforderte Demokratie lebten die Corpsstudenten von Anfang an in ihren Corps vor, indem damals wie heute  über jede Entscheidung demokratisch abgestimmt wird. Das Prinzip der Toleranz gegenüber anderen Meinungen gilt auch heute noch als eines der bedeutendsten des Corpsstudentums.

Später forderten die Corps, wie die meisten anderen Verbindungen auch, die Einigung des Deutschen Reiches und übernahmen unter Bismarck, der selber Corpsstudent war (Mitglied bei Hannovera Göttingen), eine tragende Rolle im neuen Staat. Gerade in dieser Zeit des aufkommenden Nationalsozialismus behielten sie aber ihre neutrale Rolle bei, nachdem jedem Corpsstudent seine politische, religiöse und wissenschaftliche Einstellung freistand. In dieser Zeit kamen aus den Reihen der Corps bekannte Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Politik.

Zur Zeit der Weltwirtschaftskrise blühten die Corps nach dem ersten Weltkrieg wieder auf. Kaum ein Student konnte sich in Zeiten finanzieller Not sein Studium leisten ohne die Unterstützung der Verbindungen. 70 % der Immatrikulierten waren korporiert. Die Corpsstudenten waren keine Standesvereinigung privilegierter Gruppen. Trotz so manchem Mitglied aus Adel und Oberklasse setzten sich die Corps aus allen Bevölkerungsschichten und allen Lagern zusammen. Kaum eine gesellschaftliche Gruppe wies eine solche übergreifende Zusammensetzung auf.

Im Gegensatz zu anderen schlagenden Verbindungen, Burschenschaften und Landsmannschaften, die sich schon seit jeher betont national gaben und mit dem Aufkommen eines verstärkten Antisemitismus ihre Angehörigen jüdischen Glaubens ausschlossen, blieben die Corps ihrem Toleranzprinzip treu und hielten an ihren jüdischen Corpsbrüdern fest, so dass ihr Corps für viele eine treue Heimat blieb. Auch wenn so mancher Corpsstudent die ersten Wahlsiege der Nationalsozialisten feierte, wurden jedem deren wahre Ziele schnell klar. Die Corps mit ihrer Toleranz gegenüber anderer Meinung, ihrer offenen Diskussion zu allen Fragen, waren den neuen Machthabern bald ein Dorn im Auge.

Der Versuch, die Corps, wie auch andere Verbindungen, durch Zwangsdienst in die SA und den NSdStB zu vereinnahmen, scheiterte. Die Corps versuchten sich ihrerseits dem Gleichmachungsdruck zu widersetzen. Doch die Partei sah in diesen Zirkeln der Meinungsfreiheit eine Gefahr für ihr totalitäres System. Nachdem die Corps versuchten, den Arierparagraph zu umgehen, wurden sie 1935, wie später auch die anderen Verbindungen, verboten und ihr Eigentum beschlagnahmt. Im Untergrund blieben aber die gewachsenen Verbindungen weiter bestehen. Wenn auch einige Corpsangehörige, ihrer Überzeugung folgend, Anhänger des Nationalsozialismus wurden und sich so an den Verbrechen in besonderem Maße mitschuldig machten, widersetzten sich andere Teile dem Unrechtsregime und gingen in den Widerstand.

Corps spiegelten damals wie heute nur die Bevölkerung und ihre Einstellungen wieder.

Nach dem Krieg rekonstituierten die meisten Verbindungen. Viele, deren Ursprung im besetzten Teil Deutschlands lag, setzten ihre Tradition in der Bundesrepublik fort. Die Corps blieben ihrer Tradition der Toleranz und der Freundschaft treu und wurden wieder ein tragender Teil beim Aufbau einer neuen demokratischen Gesellschaft. Nach der Wiedervereinigung kehrten viele dieser zwangsumgesiedelten Corps zu ihren Wurzeln zurück und beteiligten sich am Aufbau Ost.

Während sich viele Burschenschaften der DB klar zum Nationalen bekennen, teilweise extreme Standpunkte vertreten, nur Deutsche und Wehrdienstleistende aufnehmen, spielt Nationalität, Glaubenszugehörigkeit, Wehr- oder Zivildienst und politische Einstellung bei den Corps und Landsmannschaften keine Rolle, auch wenn die Landsmannschaften das Vaterlandsprinzip noch intensiv pflegen.

Die Corps verlangen "lediglich" die Bereitschaft zur Toleranz und den lebenslangen Einsatz für Freunde und Corps. Auch wenn nur Männer in unser Corps eintreten können, sind Frauen dabei nicht ausgeschlossen. Die Ehefrauen und Freundinnen nehmen am Corpsleben teil und sind wie auch andere Bekannte jederzeit gern gesehene Gäste auf unserem Haus.

Die Corps sind durchaus keine veralteten Relikte vergangener Tage, sie repräsentieren nach wie vor eine sehr lebendige Tradition und leben Ideale vor, die in unserer heutigen Zeit nichts an Aktualität verloren haben und ohne die keine moderne Gesellschaft eine lebenswerte Zukunft hat. Wir bekennen uns zu Werten wie Freundschaft, Meinungsfreiheit, Demokratie, Verantwortungsbewusstsein und Einsatz.

Wir stehen klar für das Leistungsprinzip, nachdem nur dem engagierten und pflichtbewussten Mitglied einer Gesellschaft deren Rechte und Vorzüge zuteil werden können. Nicht nur fordern, sondern erst selber etwas bringen, ist unsere Devise.

Natürlich kann man auch sonst wo Freunde fürs Leben finden, seine Persönlichkeit weiterentwickeln, billig wohnen, einen aufregenden Sport treiben, sein Studium meistern und sich für eine gute Sache einsetzen, aber wo kann man das alles auf einmal mit derart viel Spaß haben?

Wir geben jedem die Möglichkeit, unsere Gemeinschaft ohne irgendeine Verpflichtung kennen zu lernen, denn nur so kann man sich eine eigene Meinung bilden. Oder hast Du etwa auch Vorurteile? Jeder ist uns als Gast herzlich willkommen!

 
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